Schamanismus. Mit diesem Wort verbinden viele Menschen Indianer, Naturvölker und den Schamanen, also den Heiler und Medizinmann, der bei einem Stamm lebt. Die Assoziation mit Naturvölkern liegt auf der Hand, denn wenn wir über dieses Thema in den Medien erfahren, dann meist in Verbindung mit ursprünglich lebenden Völkern und dem Schamanen als „Mittler zwischen den Welten“.

Schamanismus – Lebensweg und Heilmethode

Meist entsteht dabei ein exotisches Bild, das uns vergessen lässt, dass wir in genau dieser Lebensweise und –sicht unsere Wurzeln haben. Denn erst einmal bedeutet es, dass man Teil von allem ist, mit der Natur lebt und alles gleich wertvoll ist. So kann man den schamanischen Lebensweg und die schamanischen Heilmethoden nicht voneinander trennen, da beides aus der gleichen Entwicklung bzw. Beobachtung entstanden ist.

Wahrnehmen mit allen Sinnen

Stellen Sie sich eine Welt vor, die noch nicht so vom Verstand definiert ist, wie die heutige. Es gibt keine Wettervorhersagen und keine Navigationsgeräte. Man muss also seine Umwelt genau beobachten, um sich zurechtzufinden. Welche Wolkenformationen bedeuten gutes oder schlechtes Wetter? Wer heute zu Fuß das Haus verlässt, betrachtet instinktiv den Himmel, um nach dem Wetter zu schauen, genauso wie wir es schon immer gemacht haben.

Warum fühlt sich ein Platz in der Natur anders an als ein anderer?

Es ist ein Unterschied, ob ich am Wasser, im Wald oder in den Bergen bin, das kann man fühlen bzw. wahrnehmen. Genauso kann man wahrnehmen, dass ein Stein sich anders anfühlt wie eine Pflanze oder ein Baum. Und dass eine Katze etwas anderes vermittelt als ein Hund. Aus diesen wahrnehmenden Beobachtungen, also beobachten mit allen Sinnen, entstand ein Weltbild, das bis heute nicht nur im Schamanismus Gültigkeit hat.

Da sich alles was existiert anders anfühlt, eine andere Wahrnehmung erzeugt, ist alles was existiert belebt. Alles hat eine eigene Energie und Schwingung, die ausstrahlt (sonst könnte man sie nicht wahrnehmen) und auf uns wirkt. So wie wir auch in unserer Ausstrahlung Wirkung auf andere haben…

Aus diesen Beobachtungen heraus entstanden u.a. viele (natur-)heilkundliche Therapien wie z.B. die Pflanzenheilkunde, Aromatherapie, Farbtherapie, Musiktherapie, usw. Moderne Formen der Kommunikation setzen wieder auf Gesprächskreise. Die Kommunikation der Naturvölker fand und findet hauptsächlich in Kreisen statt. Der Kreis symbolisiert Verbundenheit, Zusammengehörigkeit und noch viel wichtiger: es gibt keinen Tisch als trennendes Element und keiner hat den Vorsitz am Kopfende, alle sind gleich wichtig und gleich wertvoll.

Diese Liste von Dingen, die zu unserem Leben gehören und ihren Ursprung in einer schamanischen oder besser ursprünglichen und natürlichen Sicht ihre Wurzeln haben, ließe sich noch unendlich fortführen. Man sagt Schamanismus ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die Körper, Geist und Seele als Einheit betrachtet. Das stimmt natürlich, doch es wird alles als Einheit betrachtet. Die ganze Erde inklusive Mensch. Gleichwertig, gleich wichtig.

Verbunden mit allem

Wenn wir betrachten wie wir mit unserer gesamten Umwelt, also auch Tiere!, umgehen, beginnen wir zu verstehen wie wir mit uns selbst umgehen. Wir betreiben nicht nur Raubbau mit der Natur und halten Tiere nicht artgerecht, wir betreiben auch Raubbau an uns selbst und welche Haltung wird uns eigentlich gerecht? Nicht umsonst gibt es immer mehr Erkrankungen wie z.B. Burn-Out. Indem wir den Bezug zu unserer Umwelt verlieren, verlieren wir auch den Bezug zu uns selbst…

An dieser Stelle möchte ich auf ein Wort eingehen, das hier öfters Verwendung findet: Wahrnehmung. Dies ist eins der Schlüsselelemente im Schamanismus. Bewusste Wahrnehmung von allem was ist, ist der erste Schritt in Richtung Heilung unserer selbst.

Wie nehme ich meine Umwelt wahr? Wie mich selbst? Wie sieht meine Welt, meine Realität aus?

Wir fühlen was wir denken und wir strahlen aus was wir denken und fühlen. Und da unsere Ausstrahlung eine Wirkung im Außen hat, erzeugen wir so die Realität in der wir leben. So bezieht ein schamanische(r) Heiler(in) oder Schamane/in alles ein in seine/ihre Arbeit.

Es ist wichtig herauszufinden wie wir denken und leben, um zu verstehen wie wir unsere Ängste und Blockaden erschaffen, die Krankheiten in unserem Körper einen Nährboden bereiten. Im Schamanismus und vielen anderen geistigen/natürlichen Heilmethoden geht man davon aus, dass der Körper auf unser Leben reagiert.

Das heißt nicht, dass ein glücklicher Mensch nicht krank wird. Aber wenn er krank wird, wird dieser Mensch anders damit umgehen können als ein unglücklicher Mensch. Ein glücklicher Mensch weiß was ihm gut tut, was ihm Kraft gibt, er findet Mittel und Wege seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Und genau dahin führt uns der schamanisch-natürliche Weg.

Weg der Selbst-Heilung

Durch Selbstbetrachtung und Selbstkenntnis in die Heilung unseres Selbst durch Aktivierung und Stärkung unserer Selbstheilungskräfte. Selbst? Ja, denn es geht um Eigenverantwortung, Selbstwert und Selbstliebe. Das alles kann nur ich selbst mir geben und der schamanische Weg führt uns dorthin. Und da alles was existiert Energie hat, wird alles in diesen heilsamen Weg mit einbezogen.

Ein schamanische(r) Heiler(in) oder Schamane nutzt in seiner/ihrer Arbeit auch Energien von Pflanzen, Steinen, Tieren, usw. Wir nutzen die unterschiedlichen Wirkungen dieser individuellen kraftvollen Energien. Auch wenn man Energie nicht sehen kann. Unsere Launen sind auch nichts Greifbares und dennoch haben wir auf andere eine heilsame Wirkung, wenn wir gut drauf sind und eine abschreckende Wirkung, wenn wir aggressiv sind…

Energien nutzen

Zur Unterstützung in schwierigen Lebens-Situationen kann man z. B. mit Krafttieren arbeiten. Auch hier hat man über Beobachtung heraus gefunden welche Tiere welche Qualitäten und Kräfte zu eigen haben, die man sich in Form von Energie zuführen kann. Diese Energie befindet sich dann sowohl in unserem körperlichen, seelischen wie auch geistigen System.

Sie gibt uns auf allen Ebenen Kraft und verhilft uns dazu Situationen aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und so Lösungen zu entdecken, auf die wir sonst gar nicht gekommen wären. Auch Steine werden gerne in die schamanische Arbeit mit eingebunden. Wenn wir die Schwingung ihrer kristallinen Strukturen, die vollkommen und heil sind, in unser System einbringen, erinnern wir uns daran wie es ist ganz und heil zu sein. Und in dieser Zellerinnerung des Heil-Seins liegt der Heilungsprozess.

Die Aufgabe des Schamanen

Eine der Aufgaben des Schamanen ist es uns zu unterstützen, dass wir uns in unserer Wahrheit erkennen können, dass wir uns öffnen können für die Bereitschaft uns zu wandeln, dass wir unsere sensitivere Wahrnehmung der Welt wieder entdecken und das Bewusstsein, dass da mehr ist als unser Verstand weiß.

Er/Sie zeigt uns Möglichkeiten wie wir mit uns umgehen können, um unser Leben bewusster weiter gehen zu können, so dass wir selbst die Macht haben Dinge zu ändern, anzunehmen oder loszulassen – je nachdem was das Leben von uns verlangt.

Schamanismus ist natürlich

Also ist Schamanismus gar nicht so exotisch wie man denken könnte. Es ist etwas ganz natürliches, ursprüngliches und verwurzeltes. Auch verwurzelt in Europa und Deutschland. Unsere Kräuterheilkundigen, Heiler, Abbeter und die Druiden könnte man als schamanisch bezeichnen. Auch sie bewahren altes Wissen, nutzen es und geben es weiter – wie ein Schamane.

Im Ursprung verwurzelt

Sie alle leben eine ganzheitliche und natürliche Sicht auf das Leben, unabhängig von Religionszugehörigkeit. Denn Schamanismus ist vieles, aber keine Religion. Es ist ein respektvoller, bewusster und achtsamer Lebens-Weg, der alles was existiert ehrt. Kehren wir also wieder zurück zu unseren Wurzeln. Dorthin, wo wir uns selbst verstehen und leben wie es uns entspricht.

Diesen Artikel habe ich auch in der Zeitschrift „Salve“ veröffentlicht.

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